Hier treffen Rhein und Ruhr aufeinander. Hier liegt der größte Binnenhafen Europas. Und hier hat ein ganzes Viertel bewiesen, dass Industriegeschichte und Zukunft kein Widerspruch sein müssen.
Angefangen hat alles mit einem Zollposten auf einer Rheininsel. 14. Jahrhundert, nichts Besonderes eigentlich. Aber die Lage war zu gut. An der Ruhrmündung, direkt am Rhein. Innerhalb weniger Generationen wurde aus dem Handelsplatz der größte Binnenhafen der Welt. Kohle raus, Stahl rein, Getreide, Container. Was das Ruhrgebiet bewegt hat, ging über Ruhrort.
In den besten Zeiten war der Stadtteil voll mit Seeleuten aus aller Herren Länder. Die Kneipen hatten bis morgens geöffnet. Ruhrort war das St. Pauli des Westens, und das war keine Übertreibung. Dann wurden die Liegezeiten kürzer, die Crews blieben an Bord. Für eine Weile sah es so aus, als würde das Viertel einschlafen. Bis die Künstler und Filmemacher kamen und den rauen Charme für sich entdeckten.
Seit 1905 gehört Ruhrort auf dem Papier zu Duisburg. Frag aber mal jemanden, der hier wohnt. Die Antwort ist immer die gleiche: Ruhrort ist Ruhrort.
40 Kilometer Kaianlagen. Seehafenstatus. Direktverbindungen nach Antwerpen, Rotterdam, Amsterdam. Und seit ein paar Jahren kommen auch die Güterzüge aus China über die Neue Seidenstraße hier an. Wer glaubt, Duisburg sei nur Stahl und Kohle, war lange nicht mehr hier.
Von hier fahren Binnenschiffe regulär nach Europa, Afrika, Naher Osten. Antwerpen, Rotterdam, Amsterdam sind über den Rhein direkt erreichbar. Ein Binnenhafen mit Seehafenstatus, das muss man sich mal vorstellen.
Wer auf der Landkarte den westlichen Endpunkt der Seidenstraße sucht, landet in Duisburg. Ein Großteil der Direktfrachtverbindungen aus China kommt hier an. Globaler geht es für einen Binnenhafen nicht.
In den alten Speichern und Silos sitzen heute Museen, Restaurants und ein Yachthafen. Den Masterplan für den Umbau hat Norman Foster entworfen. Strukturwandel, wie er besser kaum laufen kann.
In den Achtzigern blätterte die Farbe von den Fassaden. Die goldenen Jahre der Schiffer waren vorbei, und es sah nicht gut aus für Ruhrort. Dann kam Götz George. Als Kommissar Schimanski im Tatort machte er das Viertel über Nacht berühmt. Nicht hübsch, nicht poliert, sondern rau, direkt, ehrlich. Genau so, wie das Revier sich selbst sieht. Das Bild hat sich gehalten.
Ruhrort liegt im Norden von Duisburg. Straßenbahn 901, Haltestelle Karlstraße oder Friedrichsplatz, und man ist mitten drin. Wer mit dem Auto kommt, parkt an der Schifferbörse oder unter der Friedrich-Ebert-Brücke.
Museum der Binnenschifffahrt, Rheinorange-Skulptur, Mühlenweide, Hafenmund mit Museumsschiffen, Radiomuseum an der Bergiusstraße, Schifferbörse.
Man muss kein Hafenexperte sein, um Ruhrort zu mögen. Einfach hinkommen, über die Mühlenweide laufen, in eine Kneipe setzen und zuhören. Den Rest erledigt das Viertel von allein.
Besuch planen